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Die Chinesische Tempelküche - Chengdu Wenshuyuan

Die Chinesische Tempelküche - Chengdu Wenshuyuan

Fotos & Text: Jan-Peter Westermann
Rezepte: Martina Hasse
Foodstyling: Jan-Peter Westermann


„Dear Passenger, please do not leave any belongings in my car. Thank you and have a nice day“,

schnarrt es blechern aus dem Kassettenrecorder meines Taxis. Stumm dreht sich mein Fahrer um, schaut mich vielsagend an und streckt die Hand aus in der Erwartung, ich werde schon den richtigen Geldbetrag hineinlegen. „Tse tse“, murmele ich beim Aussteigen. Weiter erstreckt sich unsere Konversation nicht und noch bin ich nicht wirklich sicher, ob ich am Ort meiner Wünsche angekommen bin. Denn weder konnte ich meinen Spickzettel entziffern, den ich dem Fahrer zu Beginn unserer Tour gereicht habe, noch werde ich jetzt, in der Morgendämmerung nach Orientierungspunkten suchend, aus den schwach beleuchteten Straßenschildern schlau.

Zu meinem Glück setzen sich pagodenartige Dachformen hinter einer Mauer auf der gegenüberliegenden Straßenseite gegen die allerorts beherrschenden Wolkenkratzer der 10 Millionen-Stadt Chengdu ab.

Ich sammle mein Equipment, quere die mehrspurige Straße und tauche schon wenig später in einer komplett anderen Welt ab. Ich bin im Kloster Wenshayuan, einem  der bedeutensten aktiven Klöster Sezchuans. ,

Ein Ort der Ruhe erfasst mich und nimmt mich in seinen Bann. Auf schwarz lackierten Säulen ruhende Laubengänge durchziehen die Klosteranlage, verbinden die einzelnen Trackte und Tempel und öffnen den Raum hin zu wechselnden Innenhöfen. Dunkelrot kontrastiert mit Schwarz und dezent eingesetzte Dekorflächen geben Raum für Schriftzeichen und die diversen Holzsprossenfenstern der insgesamt geheimnisvollen Architektur. Ein Spiel mit offenen und geschlossenen Blickachsen stellt den Orientierungssinn des Betrachters auf die Probe.

Besonders jetzt in den frühen Morgenstunden scheint die Zeit still zu stehen.

Der Lärm der aufwachenden Stadt ist ausgeblendet und ehrfürchtig folgen meine Augen den weiten ockergelben Gewändern einer Gruppe von Mönchen, die zielstrebig auf die Sechs Uhr Morgenmesse zuschweben. Ich folge ihnen.

Von Duftkerzen geschwängerte Luft gepaart mit melodischem Singsang erfasst mich im Innenraum des buddhistischen Tempels selbst in der hintersten Reihe. Teilnahme für Zivilisten verboten, fotografieren verboten, aber ein kurzes Nicken als Antwort auf meinen fragenden Blick zu Liang, dem Verwaltungsleiter des Klosters, lässt mich gewähren.

Nach einer Stunde buddhistischer Liturgie ziehe ich in einer Traube von 150 Novizen zwischen mich wild anglotzenden Löwenköpfen in den Speisesaal des Klosters ein. Am Ende des Saales finde ich auf einer der harten grobgeschlagenen Holzbänke einen Platz. Die Mönche speisen abseits in einem zweiten Raum, der nur ihnen und dem bedienenden Personal vorbehalten ist. Die Wärme der Küchendämpfe und der vielen Menschen lässt sofort meine Kameralinse beschlagen. Kaum einer nimmt Notiz von mir. Essen ist Teil der buddhistischen Lehre und führt zu sich selbst.

Ein  gemeinsames Gebet segnet die Mahlzeit und in dem von Neonröhren beleuchteten Raum tritt Ruhe ein, bevor routiniertes Küchenpersonal mir einen Schlag krause Glucke aus einer Holzkelle in die vor mir stehende Schale füllt. In dem warmen transparenten Glibber des in China weit verbreiteten Heilpilzes schwimmen dezent ein paar Gojibeeren, doch als ich probiere, bin ich überrascht über den fast süßlich-fruchtigen Geschmack.

Eine völlig fremde Welt scheint sich mir zu öffnen und ich hege keinerlei Zweifel, dass diese Morgensuppe meinem „Chi“ gut tun wird.


Süße Suppe von Silberohr mit chinesischen Wolfsbeeren

  • 15 g getrocknete Silberohrpilze (3-5 Stück, keinesfalls mehr), ersatzweise frische Krause Glucke

  • 1 kleine Handvoll chinesische Wolfsbeeren

  • 200 g weißer Kandiszucker

Zubereitung

Die getrockneten Pilze und die Wolfsbeeren warm abbrausen und vorsichtig säubern. Beides getrennt mit kochendem Wasser überbrühen und zugedeckt acht bis zwölf Stunden stehen lassen. Die Pilze brauchen einen großen Topf voll Wasser, denn sie quellen stark (am besten in einem gut die Wärme haltenden Tontopf oder Römertopf). Dann die Pilze in ein Sieb abgießen und abtropfen lassen. Harte, dunkelgelbe und verschmutzte Stellen entfernen und die Pilze nochmals abbrausen. Nun die Pilze in einem großen Topf mit frischem Wasser aufkochen und anschließend bei geringer Temperatur weich köcheln. Die abgetropften Wolfsbeeren dazugeben, weiterkochen und nach 20 Minuten den Zucker beifügen. Sobald sich dieser aufgelöst hat, ist die Suppe fertig. Die Pilze sind dann ganz weich und die Suppe wie mit Stärke gebunden. Als vitaminschonende Alternative kann man die Pilze auch 1 Stunde über Dampf garen.



Vegetarische “Hühnersuppe” mit Judasohren

Zutaten

  • 100 g Judasohren, frisch oder getrocknet (ca. 15 Stück)

  • 300 g Tofuhaut

  • 1 EL Sojastärkemehl

  • 50 g Weizenmehl

  • 1 TL Meersalz

  • 1/2 I vegetarische Brühe

  • 1 Prise schwarzer Pfeffer

  • Nährhefe zum Abschmecken

  • 1 TL Zucker

  • 1-2 EL kaltgepresstes Rapsöl

  • 1/2 EL geröstetes Sesamöl

Zubereitung

Getrocknete Pilze mit reichlich kochendem Wasser übergießen und 1/2 bis 1 Stunde einweichen, dann abgießen. Die Pilze quellen dabei stark auf. Die Pilze putzen, alle harten, krustigen und schmutzigen Stellen entfernen. Die Tofuhaut in heißem Wasser 30 Minuten einweichen, dann abspülen und im Dämpfer 10 Minuten weich dämpfen. Inzwischen Sojamehl, Weizenmehl und 1 Prise Salz in einer Schale mit so viel Wasser verrühren, dass man einen weichen, aber nicht flüssigen Brei erhält. Eine Tofuhaut auf der Arbeitsplatte ausbreiten, darauf eine dünne Schicht Mehlbrei auftragen, dann wieder eine Tofuhaut darüberlegen, eine weitere Schicht Brei auftragen und so fortfahren, bis alle Tofuhaut aufgebraucht ist. Das Ganze zu einer Rolle aufrollen, diese fest in ein sauberes Tuch wickeln und straff mit nicht abfärbendem Bindfaden umwickeln und fest verschnüren. Die Tofuwurst 20 Minuten über stark sprudelndem Wasser dämpfen. Dann herausnehmen und abkühlen lassen. Dies ist das »vegetarische Hühnerfleisch«. Die Tofurolle aus dem Tuch wickeln und in 3 mm dünne Scheiben schneiden (siehe Foto). Diese dekorativ zusammen mit den Judasohren in eine Suppenschüssel legen, die heiße Brühe vorsichtig dazugießen und sämtliche Gewürze sowie das Rapsöl hinzufügen. Die Schüssel 5-7 Minuten über stark kochendes Wasser in den Dämpfer stellen. Zuletzt mit dem Sesamöl beträufeln und heiß servieren.


Das Kochbuch zur Serie findet ihr hier für 34,90 € beim atVERLAG


 

 IN SEASON: ROTKOHL

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It begins to look a lot like Christmas… Advents-Bäckerei: Zimt und andere dolle Dinge, die Erste

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